In Rom hatten wir Gelegenheit, neben der neuen Moto Guzzi V7 Cafè Classic auch noch kurz auf die Moto Guzzi Griso 8V SE zu steigen. Drei Worte: Toller Sound - mächtige Maschine - gewaltige Emotionen.
«Willste mal Griso fahren?», fragte mich im dichtesten Verkehr der Kollege von der Konkurrenz. Was für eine Frage! Blitzschnell war die Maschine gewechselt, und ich dirigierte via superbreiten Lenker die mächtige Griso durch den Verkehr. «Quattrovalvole», also vier Ventile pro Zylinder, nennt Guzzi seinen neuen Motor, der aufs Jahr 2007 bei Guzzi eine über 60-jährige 2-Ventil-Tradition ad acta gelegt hat.
Abstimmung: nocheinmal über die Bücher?
Gespannt war ich vor allem auf das berüchtigte Leistungsloch. Kollege Tobias hatte vor zwei Jahren noch geschrieben: «In Mandello sollte man bezüglich der Abstimmung des Quattrovalvole nochmals über die Bücher…»
Von einem Leistungsloch oder gar einem Ruckeln spürte ich gar nichts. Allerdings muss ich zugeben, dass ich in der Innenstadt von Rom nie über den dritten Gang herauskam. Ich kann also nicht wirklich sagen, ob Guzzi das Problem mit der Leistungsentfaltung des 1100er-Motors in den Griff bekommen hat oder nicht.
Optik: Sonderklasse!
Dafür gerate ich ob den optischen und haptischen Vorzügen des Sondermodells Griso 8V SE ins Schwärmen. Da ist erstens einmal diese grünliche Farbe. In Sachen Farben ist Guzzi sowieso erste Wahl. Schon das frühere Sondermodell der V11, die V11 Rosso Mandello, war, rein farblich gesehen, ein Leckerbissen. Mit der Griso 8V SE setzt Guzzi noch einen drauf. Ihr glaubt gar nicht, wie die Römer wie verliebte Kater um die abgestellte Griso herumschlichen! Guzzi nennt die Farbe übrigens «Tenni».
Auch das gehört zum Guzzi-Fahren in Italien: An der Engelsburg (Castel Sant’Angelo) in Rom wird an einem kleinen Kaffee genippt:
Tommaso Omobono Tenni
Tommaso Omobono Tenni war ein italienischer Motorradrennfahrer, der vor allem für Guzzi Rennen fuhr. 1948 verunglückte er tödlich auf der GP-Strecke von Bern (Bremgarten). Laut den Guzzi-Managern hat der Rennfahrer Tenni jedoch nichts mit der «Tenni»-Farbe der Griso 8V SE gemein. Eigenartig. So eine Namensgleichheit kann doch kein Zufall sein?
Jetzt sagt selbst: ist das nicht eine absolute Beauty?:
Sound, Preis
Doch zurück zur Griso. Auch die Verarbeitungsqualität der Griso ist enorm hochwertig und sehr lobenswert. Zu überzeugen wussten neben der bulligen Leistung in tiefen Drehzahlen und der komfortablen Sitzposition auch die brachialen Brembo-Stopper. Allerdings brauchen sie schon etwas Handkraft. Als bekennender Sound-Fetischist begeisterte mich ausserdem die Auspuffanlage, welche in Sachen Tonlage und Lautstärke keinerlei Wünsche offen lässt. Die Griso 8V SE gibt es ab Mai 2009 für 21 715.– Franken bei Moto Guzzi zu kaufen.
Die wichtigsten Unterschied zwischen der Griso "Normal" und der Griso SE:
Mit der Griso SE auf dem geschichtsträchtigen Barberini-Platz inmitten des herrlichen römischen Verkehrs (links). Rechts fand Guzzi noch irgendieinen Hügel in Rom, auf dem man halbwegs so etwas wie ein Kurvenfoto einbauen konnte:
Das Video dazu:
Detailfotos:
Ausgezeichnet: Stahlflex-Leitungen. Viel besserer Druckpunkt, längere Haltungsdauer.
Gabel: Federbasis einstellbar, Einwärts- und Auswärtsdämpfung einstellbar:
Der Öleinfüllstutzen liegt frei, trotzdem empfiehlt es sich, einen Trichter zum Ölnachfüllen zu benützen.
Aha, da musste Guzzi wohl nachdoppeln: Der Seitenständer hat einen zweiten, angeschraubten Arm. Ohne diesen ist's tatsächlich sehr mühsam, den Seitenständer der Griso auszuklappen:
Über jeden Zweifel erhaben: Griso-Bremsanlage.
Was hier so Schuhschachtelmässig unter dem rechten Zylinder daherkommt, kann eigentlich nur ein gigantischer Ölkühler sein...:
v-Guzzis und BMW-Boxer sind konstruktionsbedingt ideale Kardanmaschinen - das ist bei der Griso nicht anders:
Zwar dürfte die Griso SE nicht gerade erste Wahl bei der Tourer-Fraktion sein. Aber Details wie dieser Gepäckknopf, an dem man die Gummi-Spinne einhängen kann, machen die Griso gleich tourentauglicher:
Auspuffking: Nicht einmal das gewaltige Ofenrohr der Suzuki 1250 Bandit kann dieses 1 1/2-Rohr der Griso toppen. Gottlob wurde der Sound nicht wie bei der Bandit totgedämpft:
Bei der Heckgestaltung sind die Italiener nach wie vor die Kings:
Warum nicht einmal so? Offenliegende Kabel sind nie schön. Guzzi hängt darüber immerhin so etwas wie einen Kabelschutz:
Auf den Vierventiler sind die Leute aus Mandello del Lario anscheinend extrem stolz. Was in Japan schon seit Jahrzehnten Standart ist, ist für Serien-Guzzi erst seit kurzem Standart:
Auch bei Guzzi unterscheidet man bei der Detailqualität klar zwischen den günstigeren Einsteigermaschinen und den teureren Motorrädern wie der Griso. Die Verarbeitungsqualität bei den teureren Modellen ist enorm hoch - da haben sehr viel grössere Hersteller Mühe, mitzukommen. Feinsonsoriker kommen bei der Griso voll auf ihre Kosten:
Ein Tankdeckel wie Panzerschrank-Schloss. Für die Ewigkeit konstruiert:
Rund und doch irgendwie eckig: wirklich hübsch ist anders. Doch dafür ist das Cockpit sehr praktisch:
Bei über 20'000 Franken natürlich längstens Standart, trotzdem soll darauf hinggewiesen werden: verstellbare Hebel.
Die Griso 8V SE sich zeichnet neben der Farbe vor allem durch diesen Ledersitz aus. Super verarbeitet, sieht Klasse aus. Wir fragen uns allerdings, wie dieser Sitz nach einem kräftigen Regenguss ausschaut:
Nach wie vor eines der schönsten (wenn nicht da schönste) Motorradlogo: Adler auf rotem Guzzi-Grund:
Die Griso 8V SE macht einiges her. Und dank der schönen Lackierung wirkt der lange und flache Tank, der die Linien der normalen Griso so sehr in die Länge zieht, viel kürzer: