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Einige MAIDS-Auswertungen
27.04.09 16:12

Motorradunfälle ausgewertet

Wusstet ihr, dass fast 90 Prozent der Motorradunfälle in Europa auf trockenen Strassen passieren? Oder dass Motorräder in schwarzer Farbe häufiger in Unfälle verwickelt sind als solche in gelber Farbe? Wir haben euch ein paar Details aus dem neuesten MAIDS-Unfallreport herausgepickt.

Was ist MAIDS?

Zusammen mit ein paar Partner erstellt die European Association of Motorcycle Manufacturers (ACEM) periodisch Studien zu den Motorradunfällen in Europa, MAIDS genannt. Mitgründer von MAIDS ist ürbrigens die Europäische Gemeinschaft (EG).

MAIDS steht für "Motorcycle Accidents In Depth Study" (Vertiefte Studien zu Motorradunfällen).

Für die letzte grosse MAIDS-Studie wurden drei Jahre lang 921 Motorradunfälle in 5 verschiedenen Ländern sehr detailliert ausgewertet. Zu jedem Unfall wurde ein Fragebogen von fast 2000 Fragen beantwortet - daraus entstand eine riesige Datenbasis.

Wer Interesse hat, kann sich die MAIDS-Studien auf der MAIDS-Website downloaden. Die Studien sind nur in Englisch erhältlich und fast 200 Seiten dick.

Wir haben euch aus der riesigen Fülle an Informationen ein paar Details herausgepickt, von denen wir glauben, dass sie auch für uns Schweizer Biker interessant sein könnten. Übrigens: in der Studie taucht ständig der Begriff "PTW" auf - dies ist nichts anderes als ein Powered Two-Wheelers - also ein Motorrad.

Motorradtyp:

Diese Statistik scheint zu bestätigen, was jeder insgeheim glaubte zu wissen: die meisten Motorradunfälle passieren mit Naked Bikes (hier convetional street genannt) und Sportbikes.

Doch obacht: diese Statistik sagt nichts darüber aus, wieviele Bikes davon herumfahren. Dass mehr Naked Bikes als bsp. Chopper im Strassenverkehr unterwegs sind, ist ja eine Tatsache - folglich verunfallen die Nakedbikes auch häufiger. Gleiches gilt natürlich für die Scooter.

Hubraum:

Diese Statistik ist schon aussagekräftiger: 42.7 % der verunfallten motorisierten Zweiräder waren die Scooter und Töffchens bis 50 ccm. Kein Wunder: in südlichen Ländern ist ihr Anteil am Gesamt-Zweiradmarkt riesig. Auffallend die grosse Anzahl von Unfällen in der 500-750 ccm-Klasse (22.4 %). Auch diese Zahl relativiert sich, wenn man weiss, dass in vielen europäischen Ländern gerade diese Bikes am häufigsten gekauft werden. Für die Schweiz dürften andere Zahlen gelten - hierzulande werden gerne hubraumstärkere Modelle gefahren.

Geschwindigkeit:

Auch hier haben die Scooter die Statistik massiv verzerrt: da sie fast ausschliesslich im Stadt/Vorortsbereich gefahren werden, verunfallen sie auch nur bei geringen Geschwindigkeiten. Da ihre Anzahl am Gesamtmarkt so ausserordentlich hoch ist, schlägt der Unfall-Balken bei 50 km/h am höchsten aus. Bei den echten Motorrädern dürfte die häufigste Unfallgeschwindigkeit (Geschwindigkeit, die unmittelbar vor dem Unfall gefahren wurde) eher bei 70-80 km/h liegen.

Ausserdem wenig Erstaunlich: je höher die Geschwindigkeit, desto fataler der Unfallausgang. Logisch, die Aufprallenergie ist viel höher = schwere Verletzungen. Ab circa 130 km/h nimmt die Fatalität (schwerer Unfall bzw Tod) immer mehr zu, bis das Verhältnis zu "non-fatal" fast 1 : 1 beträgt.

Motorradfarbe und ihre Häufigkeit bei Unfällen:

Eine sehr interessante Grafik. Im ersten Augenblick lässt sich sagen, dass Motorräder in schwarzer Farbe rund doppelt so häufig verunfallen wie solche in Grau oder Silber. Und dreimal häufiger als solche in Weiss.

Allerdings hat die Sache eine Hacken: die Tabelle rechnet in absoluten Zahlen. Da angenommen werden darf, dass bsp. massiv mehr schwarze Motorräder als braune Motorräder im Verkehr sind, ist es ja auch logisch, dass die Unfallzahlen bei den Schwarzen Motorrädern grösser sind. Ausserdem sind Schwarz und Dunkelblau Farben, die häufig für Supersportler gebraucht werden.

Auffällige, helle Motorräder dürften helfen, im Strassenverkehr besser gesehen zu werden. Mehr aber hängt es wohl von der Psychologie des Fahrers ab. So ist bsp. bekannt, dass Fahrer von schwarzen Automobilen gerne selbstbewusst und machtbewusst auftreten und ehrgeizig sind. Das dürfte sich auch auf die Fahrweise auswirken.

Wetter am Unfalltag:

Das Wetter spielte bei den Unfälle klar eine Nebenrolle. Gerade einmal bei 4.6 Prozent der Motorrad- und Scooterunfälle waren die Wetter- und Strassenbedingungen mitverantwortlich bei dem Unfall. Bei über 90 Prozent der Unfällen waren die Wetter und Strassenverhältnise in Ordnung.

Betroffene Körperregionen:

Passierte ein Motorradunfall-Unfall mit Schaden an der Person, dann waren folgende Regionen besonders betroffen. Auffällig, wie stark die Extremitäten (Arme, Beine) betroffen waren: logo - sie stehen vom Torso am meisten ab und kollidieren am ehesten mit Hindernissen.

Motorradbekleidung:

Hier haben wir noch diese kleine Grafik im Detail ausgewertet.


Untersucht wurden, wieviele Motorrad-Unfallfahrer einen Helm trugen, und wieviele bsp. zum Motorradfahren geeignetes Schuhwerk trugen. Vorsicht: die Ergebnisse sind nicht 1 : 1 auf die Schweiz umlegbar. In der Schweiz kleiden sich die Motorradfahrer generell sicherer als bsp. in heissen Mittelmeer-Ländern. Ausserdem gilt zu bedenken, dass die Scooterfahrer in der Grafik enthalten sind - und sie kleiden sich zumeist weniger sicherheitsbewusst als echte Motorradfahrer.

Helm:

Fast 70 Prozent der verunfallten Fahrer trugen einen Integralhelm. Nur 9.2 Prozent trugen einen Jethelm ohne Kinnschutz. Das ist nun schwierig zu Interpretieren: fahren generell mehr Fahrer mit Integralhelm herum, oder fahren Fahrer mit Jethelm vorsichtiger durch die Gegend?

Jacke:

Bei der Motorrad-Jacke ists klarer: fast 40 Prozent der verunfallten Biker trugen nur eine Jacke mit mittlerem Sicherheitsschutz (bsp. aus Nylon aber ohne Protektoren etc). Generell trugen jedoch recht viele verunfallte Motorradfahrer eine anständige Motorradjacke.

Handschuhe:

Dies ganz im Gegensatz zu den Motorradhadschuhen. Schaut euch die erste Zahl an: 33.6 Prozent der verunfallten Motorradfahrer trugen bei ihrem Sturz gar keine Handschuhe!

Hosen:

Auch bei den Motorradhosen scheinen viele der verunfallten Biker auf mittelmässigen Schutz gesetzt zu haben (vermutlich eine herkömmliche Kaufhaus-Jeans).

Stiefel:

Drastisch hoch auch die Anzahl von normalen Strassenschuhe bzw Sneakers bei den Verunfallten: fast die Hälfte der Motorradfahrer trug zur Zeit des Unfalles ungeeignetes Schuhwerk!


 
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