Enduros, das sind ja eigentlich Motorräder fürs Land. Dank langer Federwege und entsprechend grosser Bodenfreiheit scheuen sie den Ritt über holprige Wege nicht. Und doch sind die nicht allzu extremen Vertreter der Gattung seit jeher auch bei Städtern beliebt.
Enduros sind leicht und passen, schmal wie sie sind, durch jede noch so kleine Lücke. Sie bieten dem hoch positionierten und aufrecht sitzenden Piloten eine gute Übersicht, für Schlaglöcher haben sie nur ein müdes Schulterzucken übrig. Und kommts mal zu Asphaltkontakt, sind nicht gleich Teile im Wert von mehreren Tausend Franken kaputt.
Neuer Vorstoss bei den 250ern
Vertreter dieser nicht wettkampf-orientierten Enduros, der Einfachheit halber Softenduros genannt, sind die KLX von Kawasaki. Eine 250er gabs in den letzten Jahren in der Schweiz aber nicht mehr. Mit dem Autobillett kann man bloss eine 125er fahren, für 34-PS-Einsteiger schien die Viertelliterklasse wiederum zu schmalbrüstig. Doch nun versucht es Kawasaki wieder, beflügelt durch den Erfolg der 2008 lancierten Ninja 250R.
Mit dieser hat die KLX 250 den günstigen Preis gemein. Nicht aber den Motor. Im Strassentöff zwirbelt ein munterer Reihen-Zweizylinder, in der Enduro stampft ein Einzylinder, neudeutsch auch als Single bezeichnet. Weniger Zylinder bedeutet grösserer Einzelhubraum, was geringere Drehzahlen erlaubt und die Spitzenleistung beschränkt. Diese Regel gilt auch hier: Mit 22 PS liegt die KLX glatte 50 Prozent hinter der Ninja zurück.
Genügend Pfupf, solange ...
Wenns darum geht, den (hoffentlich legalen) Waldweg entlang zu düsen, ist die Leistung ausreichend. Und im Stadtverkehr stört das PS-Manko ebenfalls kaum.
Auf der Autobahn: zäh
Man steppt sich durchs problemlos zu schaltende Getriebe, sodass zwischen 5000 und 8000/min genügend Pfupf bleibt. Damit ist man in der City alles andere als ein Hindernis. Auf der Landstrasse geht die Rechnung ebenfalls auf, solange man sich Überholmanöver für lange Geraden aufhebt. Eher bitter wirds dann auf der Autobahn. Dort, wo eine Ninja jedes in der Schweiz legale Tempo locker mitgeht, tut sich die KLX, auch wegen der ungünstigen Aerodynamik, schwer. Steigt die Fahrbahn noch leicht an, bleibt der Tacho unter 110 angenagelt, egal, ob man den 4., den 5. oder den 6. Gang einlegt.
Der Motor:
Doch zurück ins urbane Milieu, wo die KLX 250 auftrumpfen kann. Unter anderem mit dem Motor: Der Viertakter brummt so unauffällig, dass die Akzeptanz im Quartier sehr hoch sein dürfte.
Hoch, aber leicht
Vor dem Aufsteigen könnte die hohe Sitzbank (890 mm) für Menschen unter 170 cm einschüchternd wirken. Doch weil sie sehr schmal ist, erreicht man trotzdem einbeinig sicher den Boden, und das reicht auch, weil die KLX mit trocken 138 kg als Leichtgewicht gelten kann. Auch schieben, falls mal nötig, geht kinderleicht. Wenden ebenfalls, dank grossem Lenkeinschlag wendet man auch im engsten Gässchen mühelos.
Das hochbeinige Motorrad bietet auch langen Kerlen ordentlich Platz zur Unterbringung ihrer Beine. Die lange Sitzbank offeriert Beifahrenden ebenfalls genügend Raum. Knapp wirds auf der schmalen Bank allerdings für Gepäck. Der Stadtpilot setzt eher auf einen Rucksack.
Klasse Fahrwerk
Die im Vergleich zu einem Strassentöff längeren und softer gedämpften Federelemente lassen mehr Bewegung zu, ein Segen auf löchriger Piste. Dafür bewegt sich die Front, wohl auch wegen der Stollenpneus, selbst bei ruhiger Konstantfahrt auf gutem Belag beinahe dauernd ein wenig auf und ab. Einem Offroader fällt diese Unruhe kaum auf. Einem, der zuvor schon einen Strassentöff gefahren ist, hingegen schon. Ansonsten machten die Federelemente einen sehr guten Eindruck, sie sprechen fein an, wirken aber nie schlabbrig.
Schwinge:
Bremsen
Dem üblichen Fahrtempo gut gewachsen zeigte sich auch die Bremsanlage. Die vordere Einscheibenbremse packt ohne Bissigkeit, aber mit guter Rückmeldung zu, und die oft mitverwendete hintere Bremse zeigte sich richtig wirkungsvoll.
Die Heimfahrt aus dem nächtlichen Ausgang ist dank Strassenlaternen in der Stadt problemlos, über Land hingegen gibt sich der KLX-Scheinwerfer eher geizig. Das Abblendlicht geht einigermassen in Ordnung. Das Fernlicht aber leuchtet die Fahrbahn in der Distanz kaum besser aus, höchstens in die Breite, was in Kurven hilft.
Supermoto wohl noch flinker
Wer keine Offroad-Abenteuer plant, braucht nicht unbedingt Stollenreifen und grosse Räder. Deshalb bietet Kawasaki für 1500 Franken einen Umbaukit mit kleinen Rädern und Strassenpneus in 17 Zoll an. Damit sind die Laufruhe und der Grip auf Asphalt höher, die Sitzhöhe wiederum reduziert sich, das Fahrverhalten dürfte nochmals flinker werden.
Heck:
Eine überlegenswerte Alternative, zumal der Grundpreis der KLX 250 von rund 6600 Franken durchaus fair ist.
Fazit
Früher sind Töff-Enthusiasten mit 250ern ans Nordkap gefahren. Heute vergnügt man sich mit der überschaubaren Leistung solcher Bikes eher in der Stadt. Und Vergnügen ist wirklich ernst gemeint. Solange die Geraden kurz oder die Tempolimits tief sind, macht die KLX 250 enorm Spass. Für längere Strecken nähme ich lieber die Ninja 250.