Test und Technik

Fahrbericht Suzuki GSX-R 1000 K9

Test des 2009er Kilogixers


 

18.06.2009 00:00

Das im Zweijahresrhythmus erneuerte Suzuki-Superbike GSX-R 1000 wird im Jahrgang 2009 agiler und Tuning-fähiger. Das hilft auf Strasse und Piste. Text: Daniel Riesen, Bilder: Montero, Werk


Nein, die neue Suzuki GSX-R 1000 hat nicht mehr Topleistung als die Vorgängerin, es bleibt bei 185 PS. Und ja, die Neue sieht besser aus, dank der organisch geformten – aber nach wie vor nicht grad kleinen – Endschalldämpfer. Damit wäre das Nebensächliche geklärt, und wir können uns dem Kern der Sache, den inneren Werten des neuen Suzuki-Superbikes, widmen.

Kurzhubiger

An Motor und Fahrwerk hat sich in einem Schritt mehr getan als in jeder der Stufen der Entwicklung der GSX-R 1000 seit 2001. Zum zweiten Mal in dieser Zeit wurde der Reihenvierer kurzhubiger. Unter den Japan-Superbikes bleibt die Suzuki diesbezüglich aber die moderateste. Dennoch, bei gleicher Spitzenleistung ab Stange soll diese Motorenauslegung mehr Spielraum fürs Tuning schaffen.

Der Motor:

Dieses Video zählt die Features der GSX-R 1000 K9 auf:

Höhere Verdichtung

Die grössere Bohrung wird genutzt für je einen zusätzlichen Millimeter Durchmesser der Ventile. Die Ansaugwege wurden ebenfalls leistungsfördernd verkürzt, eine veränderte Brennraumform mit höherer Verdichtung (12,8 statt 12,5:1), und modifizierte Steuerzeiten sollen aber auch für unverändert viel Dampf in der Drehzahlmitte sorgen.

Im Betrieb jenseits der Rennstrecke ist man für diesen Druck «ohne» Drehzahl der GSX-R dankbar. Überholmanöver erledigt man mit 4000/min zügig und ohne Aufhebens. Ab 6000/min wirds stürmisch, den Bereich zwischen 10000/min und roter Zone (bei 14000/min) heben sich Normalbegabte fürs Pistentraining auf.

Immer wieder grosses Staunen

Piloten einer modernen Tausender im Allgemeinen und der neuen GSX-R1000 im Besonderen durchleben stets aufs Neue Gefühle wie einst Alice im Wunderland: Staunen, entzücktes Staunen, über den schier unbegrenzten Druck einerseits, aber auch darüber, wie völlig mühelos der frei drehende und ultrasensibel am Gas hängende Motor die Leistung serviert. Ganz grosses Kino!

Der Autor des Artikels im MSS-Video:

Drossel-Mappings

Ausserdem ermöglichen die Suzuki-Ingenieure eine Selbstbeschränkung in Form von zwei Drossel-Mappings. Per Daumenschalter am linken Lenker stellt man, wie schon bei der K7, auf den Modus C mit tieferer PS-Obergrenze (rund 110 PS) oder B für eine spürbar sanftere Leistungsentfaltung im Teillastbereich und dennoch vollen Schub bei komplett geöffneten Drosselklappen. Eine wirklich feine Variante bei zweifelhaften Grip-Verhältnissen! A ist die Variante mit ungefilterter Leistung, wie sie jedes Mal beim Einschalten der Zündung vorgegeben wird.

Getriebe kompakt

Recht konventionell hatte Suzuki bislang das Getriebe konstruiert. Kurbelwelle, Getriebeeingangs- und -ausgangswelle lagen – von K1 bis K8 – fast in einer Linie. Erst für die K9 wanderte die Eingangswelle nach oben, sodass die drei Wellen nun ein Dreieck bilden.

Das Ritzel rückte knapp 6 cm näher zur Kurbelwelle, ein bei der Konkurrenz schon vor Jahren vollzogener Schritt. Die kompaktere Motor-Getriebeinheit erlaubt eine um 33 mm längere Schwinge bei einem trotzdem um 5 mm verkürzten Radstand. Eine lange Schwinge mindert Antriebseinflüsse auf die Federung und verbessert die Traktion, ein kürzerer Radstand erhöht die Agilität. Die GSX-R ist also kompakter und in einem entscheidenden Teil doch länger geworden.

Zurück zum Seilzug

Ein Detail am Rande: Der von MSS schon an der Präsentation der K7 kritisierte Wechsel von der Seilzug- zur Hydraulikkupplung wurde mit der Begründung der Gefühlsechtheit rückgängig gemacht.

Guter Mix

Im Sattel der K9 hat man den Eindruck einer zurückgewonnenen Leichtigkeit – im Stand oder beim Wedeln durch Wechselkurven – und minimal gesteigerter Kompaktheit. Die Ergonomie ist nicht zu extrem, ein guter Mix von «auf» und «in» der Maschine sitzen. Das schont Handgelenke und Nacken und taugt selbst für längere Strecken. Straff ist die Grundabstimmung der Federelemente. Fahrbahnkanten oder Schlaglöcher fahren ziemlich ungefiltert in die Handgelenke und den Allerwertesten.

Hervorragend die Bremsen mit ihrer Hammerwirkung ohne übertriebenen Biss. Und auch scheinbare Nebensächlichkeiten wie die Rückspiegel sind gut gemacht. Wie sich die leichtfüssige Tänzerin mit der Kraft eines Möbelpackers im Vergleich zur Konkurrenz hält, lest ihr im nächsten MSS.

Fazit

Mit neuen Superlativen, die das Racer-Herz zum Flimmern bringen, prahlt die neue Tausender nicht. Suzuki hat sich vielmehr gezielt den kleinen Schwächen der Vorgängerin angenommen und an der bewährten GSX-R-Schraube eine Stufe weitergedreht. Die Neue ist agiler und präziser für den Einsatz auf der Piste geworden; gleichzeitig werden dem Piloten straffe Federelemente spendiert, die den Einsatz auf schlechtem Belag anstrengend machen können.

Witzige Suzuki-Werbung zur GSX-R 1000 K9:



Auf einen Blick

(Beste Note: 5 Punkte, schlechteste Note: 1 Punkt)

In der Stadt 2 Punkte
Auf grosser Tour 2 Punkte
Sportlich fahren 5 Punkte
Zu zweit unterwegs 1 Punkte
Emotionen 4 Punkte



Technische Daten Suzuki GSX-R 1000 K9

Motor

BauartFlüssigkeitsgekühlter Reihenvierzylinder-Viertakter, Kurbelwelle quer. Eine Ausgleichswelle.
VentilsteuerungJe zwei oben liegende, über Kette gesteuerte Nockenwellen, vier Ventile
Bohrung x Hub74,5×57,3 mm
Hubraum999 ccm
Verdichtung12.8 : 1
GemischaufbereitungElektronisches Motormanagement mit drei Leistungsmodi. Saugrohr-Benzineinspritzung mit je 2 Düsen und 2 Drosselklappen pro Zylinder und digitaler Kennfeldzündung. Zwei RamAir-Einlässe.
Drosselklappen-Durchmesser44/52 mm
Ventildurchmesser: Einlass/AuslassVentilwinkel E 12°, A 13°, total 25°, Ventil-ø E: 31 mm, A: 25 mm
SchmierungNasssumpfschmierung mit Ölkühler, Inhalt 3,6l.
Auspuffanlage4-1-2-Auspuffanlage mit Titan-Endschalldämpfern.
Starter E-Starter.

Leistungsdaten

Max. Leistung 185 PS (136 kW) bei 12000/min
Max. Drehmoment11,9 mkg (117 Nm) bei 10000/min
V-max.-

Kraftübertragung

KupplungZahnradprimärtrieb. Per Seilzug betätigte Mehrscheiben-Nasskupplung, Rückdrehmomentbegrenzer
GängeSechsganggetriebe.
EndantriebEndantrieb über Dichtringkette.

Fahrwerk

RahmenAlu-Brückenrahmen, Alu-Heck verschraubt. Lenkungsdämpfer von KYB.
Federung vorneVorn ölgedämpfte Upside-down-Telegabel von Showa, in Federvorspannung, Ein- und Auswärtsdämpfung einstellbar.
Gabelinnenrohr-Durchmesser43 mm
Federung hintenHinten Einarmschwinge aus Leichtmetallguss. Showa-Federbein in Vorspannung, Einwärts- (High- und Lowspeed) und Auswärtsdämpfung einstellbar.
Federweg vorn/hinten125 mm / 136 mm

Räder

RädertypLeichtmetallfelgen. Schlauchlose Radialreifen (Testmaschine: Bridgestone BT016).
Felgendimension vornMT 3.50×17“
Felgendimension hintenMT 6.00×17“
Reifendimension vorn120/70 ZR 17
Reifendimension hinten190/50 ZR 17

Bremsen

Bremse vornVorn Doppelscheibenbremse (310 mm)
mit radial montierten Vierkolbenzangen.
Bremse hintenHinten Einzelscheibe (220 mm) mit Einkolbenzange
ABSNein, nicht erhältlich

Abmessungen und Gewichte

Radstand1405 mm
Lenkkopfwinkel66,2°
Nachlauf98,3 mm
Leergewicht fahrfertig vollgetankt 203 kg
Sitzhöhe810 mm

Tankinhalt (davon Reserve)

Testverbrauch/100 km

17,5/k.A.

ø 5,3 l

Farben

Schwarz
Rot-Schwarz
Weiss-Blau
Weiss-Silber

Preis, Lieferung per, Import

PreisFr. 22'985.–, inkl. MwSt. und NK
Erstmöglicher Lieferterminab sofort
Import überFrankonia AG
8010 Zürich, Tel. 044 431 65 11

Sonstiges, Bemerkungen

Bemerkungnicht mit 34 PS erhältlich

Konkurrenten

Aprilia RSV4 Factory

 

BMW S 1000 RR (Noch nicht auf dem Markt)

Bimota DB7

Buell 1125R

Ducati 1198 S

Honda Fireblade

Kawasaki ZX-10R

KTM RC8, KTM RC8 R

MV Agusta F4 1000 S

Yamaha YZF-R1


Weitere Fotos zur 2009er Suzuki GSX-R 1000:

 

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